Auf der Costa Toscana wurden alle Systeme geprüft und überholt – für die zahlreichen Ventile im Gassystem waren die Servicespezialisten von HEROSE an Bord.
Um die Sicherheit und Seetüchtigkeit von Schiffen zu gewährleisten, gibt es regelmäßige Überprüfungen. Die umfassendste findet alle fünf Jahre statt – es ist die sogenannte Klassenerneuerung, die alle technischen Systeme und Schutzeinrichtungen sowie die Struktur umfasst. Dazu wird das Schiff im Trockendock aus dem Wasser genommen. Für die Costa Toscana war es der erste große Check seit der Indienststellung 2022.
Ein faszinierendes Schiff mit modernster Technik
Die Costa Toscana gehört zu den modernsten Kreuzfahrtschiffen der Welt. Sie ist 337 Meter lang und bietet Platz für 6.500 Passagiere und 1.800 Crewmitglieder – das Schiff ist eine schwimmende Kleinstadt. Die vier Caterpillar-MaK-16M-46DF-Dual-Fuel-Motoren können sowohl mit LNG (Liquefied Natural Gas) als auch mit Marinediesel betrieben werden und erzeugen insgesamt 61.760 Kilowatt. Zu über 90 Prozent laufen die Motoren mit LNG; das vermindert die Emissionen deutlich. Bewegt wird das Schiff von zwei Azipod-Antrieben, deren Propellergondeln um 180 Grad drehbar sind – ein klassisches Ruder gibt es nicht mehr.
Einmal alle fünf Jahre auf dem Trockenen
Der Werftbetrieb Chantier Naval de Marseille bietet eines der größten Trockendocks im Mittelmeerraum. Hier liegt die Costa Toscana auf Hunderten Kielblöcken. Wenn man sich dem Hafen nähert, ist das Schiff mit dem gelben Schornstein schon von Weitem zu sehen. Je dichter man herankommt, desto eindrucksvoller wird der Anblick. Im Trockendock sind nicht nur die 20 Decks, sondern auch der untere Teil des Schiffes sichtbar – die rund 8,6 Meter, die sich normalerweise im Wasser befinden. Vom Kiel bis zum höchsten Punkt misst das Schiff rund 72 Meter. Eine in jeder Hinsicht beeindruckende Erscheinung.
Italienisches Flair – internationale Handwerkskunst
Betritt man die Gangway und geht an Bord, verändert sich die Atmosphäre zu einem unverkennbar italienischen Ambiente, denn das Schiff trägt stolz Genua als Heimathafen. An Bord herrscht eine lebhafte und gut koordinierte Betriebsamkeit, die an einen perfekt organisierten Bienenstock erinnert. Mehr als tausend Techniker, Handwerker und Spezialisten aus aller Welt sind damit beschäftigt, verschiedene Bereiche zu testen, zu renovieren und neu zu gestalten. Die Planung und Ausführung eines so umfangreichen Programms sind ein gewaltiges Unterfangen. Allein die Checkliste für das LNG-System umfasst vier dicht gefüllte Seiten. Bei knapp zwei Wochen im Trockendock zählt jeder Moment, und die Inspektoren der Klassifikationsgesellschaft RINA begleiten die Arbeiten mit geschultem Auge.
Service als Grundlage für verlässlichen Betrieb
Ein zuverlässiger technischer Service ist ein Grundpfeiler für einen sicheren und effizienten Schiffsbetrieb. Besonders im sicherheitskritischen Gassystem trägt professioneller Service entscheidend dazu bei, Menschen, Umwelt und Sachwerte nachhaltig zu schützen. Der Einsatz für das HEROSE Serviceteam an Bord der Costa Toscana beginnt während des laufenden Passagierbetriebs. Die Ventile in der Bunkerstation kommen als Erstes an die Reihe – Komponenten, die einer strengen Überwachung der RINA-Inspektoren unterliegen. Nachdem die Costa-LNG-Ingenieure das System gesichert und vollständig vorbereitet haben, führt das HEROSE Team in enger Abstimmung mit den Ingenieuren ein umfangreiches Serviceprogramm durch, wobei alle ein gemeinsames Ziel verfolgen: die Integrität und Sicherheit der LNG-Anlage zu gewährleisten. Während der Trockendockphase reisen weitere Kollegen aus Bad Oldesloe nach Marseille und bringen die erforderlichen Werkzeuge und Ersatzteile mit, um die Arbeiten vor Ort zu unterstützen.
Die Tatsache, dass wir mit LNG fahren, ist ein Plus für das Unternehmen und die Menschen an Bord.
Giulio Valestra, Kapitän der Costa Toscana
Service mit viel Know-how und einer Portion Einfallsreichtum
Viele der Ventile an Bord befinden sich an schwer zugänglichen Stellen: Im Tank Connection Space ist es eng, voll mit technischen Einbauten. Hinzu kommt die Schwierigkeit, dass die Oberteile der großen Ventile schon mal über 100 Kilogramm wiegen – da muss jeder Handgriff beim Aus- und Einbau sitzen. Mithilfe von Ketten- und Seilzügen werden dann die Oberteile aus dem Gehäuse gezogen. Dafür muss ein passender Aufhängepunkt gefunden werden – manchmal ist der Raum auch zu niedrig dafür, so zum Beispiel über den großen LNG-Tanks. Das Serviceteam arbeitet mit einer Mischung aus langjähriger Erfahrung und praktischem Können, um die vielfältigen Herausforderungen zu meistern. Selbst die schwersten Ventilkomponenten müssen bei der Montage absolut präzise positioniert werden, da schon die geringste Fehlausrichtung den Kegel oder die Dichtungselemente beschädigen kann. Die erfahrenen HEROSE Techniker wissen genau, wie sie solche Probleme vermeiden können. „Das ist oft wie eine kleine Operation“, sagt Sebastian Ohly – eine Aufgabe, die auch mal mehrere Händepaare erfordert. Alle beweglichen Teile werden überprüft, Dichtungen ausgetauscht und Stopfbuchspackungen erneuert, um einen zuverlässigen Betrieb des Systems zu gewährleisten.
Einmal aufwärmen bitte – Voraussetzung für den Service
Nur einmal alle fünf Jahre wird das LNG-System komplett gasfrei gemacht und von minus 160 Grad Celsius auf Umgebungstemperatur gebracht. Das Warmfahren ist nötig, damit alle wichtigen Komponenten im Fuel-Gas-Supply-System untersucht und überholt werden können: die Tanks, die Pumpen und die zahlreichen Ventile. Während des Schiffsbetriebs sind die Räume des Tank Connection Space alarmgesicherte Ex-Zonen, die mit Schutzatmosphäre versehen sind und nur im Notfall über eine doppelte Barriere betreten werden. Um das System sicher in einen gasfreien Zustand zu versetzen, befolgen die Ingenieure eine sorgfältig geplante Abfolge von Schritten: Die Tanks müssen sukzessive entleert und das gesamte System muss langsam erwärmt werden. Um sichere Arbeitsbedingungen zu schaffen, entfernen sie alle verbleibenden brennbaren Gase aus den Tanks und Rohrleitungen, die dann mit Stickstoff inertisiert werden, bevor Umgebungsluft zugeführt wird. Die Tankwände sind zwar aus robustem Stahl gefertigt, aber angesichts der Größe des Tanks relativ dünn. Im Inneren führen Spezialisten mithilfe modernster Seilklettertechnik detaillierte Inspektionen durch, um selbst kleinste Risse zu erkennen. Welche Bereiche geschweißt werden müssen, wird mit den RINA-Inspektoren abgestimmt.
Wir mögen HEROSE Ventile – wir hatten noch nie Probleme damit.
Francesco Querciola, LNG-Ingenieur der Costa Toscana
Grünes Licht für die weitere Nutzung von LNG
Nach dem Service nehmen die RINA-Inspektoren das LNG-System ab und genehmigen die weitere Nutzung. Zur Verdrängung jeglicher Feuchtigkeit aus dem System wird es mit Stickstoff inertisiert. Sonst könnten sich im Tank und in den Rohren Eiskristalle bilden, die gefährlich für die Ventile, Pumpen und Filter sein können. Per Tanklaster kommt der flüssige Stickstoff auf das noch eingedockte Schiff. Dann wird vorsichtig und langsam heruntergekühlt – um 10 Grad Celsius pro Stunde wird die Temperatur abgesenkt. Das Herunterkühlen des gesamten Gassystems ist eine kritische Phase, die Bauteile dürfen keinem Kältestress ausgesetzt werden. Wenn das System kalt gefahren ist, folgt einige Tage später der erste Tankvorgang nach der Inspektion.
Ansprechpartner Service:
Thies Evers
service@herose.com
Einmal volltanken!
Die Costa Toscana bunkert LNG regelmäßig in Barcelona, über das Bunkerschiff Haugesund Knutsen. Das LNG wird mit einem Druck von rund drei Bar ins Schiffssystem gebracht – der Tankstutzen an Bord des Schiffes ist oberschenkeldick. Ein kompletter Betankungsvorgang dauert etwa sechs Stunden, in denen große Mengen LNG sicher und präzise umgeschlagen werden. Bei Unregelmäßigkeiten sorgt das Notabschaltventil für sofortigen Schutz und schließt dank seines robusten Multiantriebs schnell. Das HEROSE Team führt auch an dieser kritischen Komponente einen umfassenden Service durch. Nach einer längeren Arbeitsphase an Bord freuen sich die Techniker auf Bad Oldesloe, denn viel Freizeit hatten sie nicht: Die Aufgabe stand immer an erster Stelle.

Costa Toscana
Das Schiff, das zur Flotte von Costa Crociere gehört, wurde in Finnland bei Meyer Turku speziell für den Einsatz von LNG gebaut. Die LNG-Technologie reduziert die Emissionen erheblich und ist ein wichtiger Schritt in Richtung nachhaltiger Betrieb.










